30h sind genug – Arbeitszeitverkürzung jetzt!

30h sind genug – Arbeitszeitverkürzung jetzt!

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 sind in fast allen europäischen Staaten die Arbeitslosenzahlen gestiegen- teils in unfassbare Höhen (Griechenland, Spanien,…). Immer öfter liest man von einer Arbeitszeitverkürzung und immer mehr gewerkschaftlich organisierte Vereine und Institutionen sprechen sich für eine Verkürzung der wöchentlichen Regelarbeitszeit aus. Doch kann eine Verkürzung der Arbeitszeit tatsächlich Arbeits-plätze schaffen?

Die Erfahrungen in Europa und auch zahlreiche Studien zeigen, dass eine Arbeitszeitverkürzung zusätzliche Ar-beitsplätze bringen kann – zumindest wenn bestimmte Voraussetzungen ge-geben sind. Die Idee zur Verkürzung der Arbeitszeit besteht schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts und brachte schon damals eine Reduzierung der Normalar-beitszeit von 60h auf 40h in den meis-ten eropäischen Ländern. Seit diesem Meilenstein blieb die Arbeitszeit kons-tant bzw. stieg leicht im Schnitt.
Der letzte Versuch die Arbeitszeit für eine große und vor allem weitreichende Anzahl an arbeitenden Personen zu re-duzieren wurde vor ungefähr fünfzehn Jahren in Frankreich unternommen. Per Gesetz wurden in einem ersten Schritt im Jahr 1998 Unternehmen dazu angeregt, die Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden zu verkürzen. Die Voraus-setzung für finanzielle Unterstützung war eine Verkürzung der Arbeitszeit um mindestens 10% sowie eine Auswei-tung der Beschäftigung um mindestens 6%. Im Jahr 2000 wurde die 35-Stunden-Woche verpflichtend für Unter-nehmen mit mehr als 20 Angestellten, 2002 auch für kleinere Unternehmen, eingeführt. Begleitet wurde die Reform durch eine Lockerung der Tages- und Wochenhöchstarbeitszeit. Nach 2002 wurden durch einen Regierungswechsel die Maßnahmen sukzessive zurück-genommen, Förderungen abgeschafft, Steuern und Sozialversicherungsbeiträ-ge auf Überstunden gesenkt und Über-stundenkontingente ausgeweitet. Die 35-Stunden-Woche wurde also deutlichverwässert und Maßnahmen in die Gegenrichtung gesetzt. Weitere Versuche fanden nur noch in kleinerem Rahmen, vor allem in den nördlichen Ländern, statt. In Österreich fordert vor allem die Wirtschaftskammer immer wieder eine Erhöhung der Tagesarbeitszeit und mehr Überstunden, um 50-60h Wo-chenstunden zu erreichen!
Eine Arbeitszeitverkürzung kann auch an sich zu einem Anstieg des Arbeitskräf-teangebotes führen. Beispiele dafür wären gut ausgebildete Personen, die von Teilzeit auf kürzere Vollzeit (z.B. 35 Stunden) aufstocken oder Personen, die erst durch die Option auf kürzere Vollzeit in den Arbeitsmarkt einsteigen. In Frank-reich wechselten beispielsweise mit der Einführung der 35-Stunden-Woche viele Personen (vor allem Frauen) von Teilzeit- auf Vollzeitbeschäftigungsver-hältnisse. Dies deutet darauf hin, dass eine nicht unwesentliche Anzahl an Personen mehr als Teilzeitarbeit arbeiten wollen, aber eine 40-Stunden-Woche nicht mit Betreuungspflichten etc. vereinbar ist.
Arbeitszeitverkürzung eignet sich zur Schaffung von Beschäftigung, falls be-stimmte Voraussetzungen wie die Mög-lichkeit zur Reorganisation der Arbeitszeitorganisation und eine moderate Lohnstückkostenentwicklung gegeben sind. Das Paket zur Arbeitszeitverkür-zung in Frankreich war, inklusive Sub-ventionen und Flexibilisierung, erfolg-reich, um Beschäftigung zu schaffen und die hohe Arbeitslosigkeit zu senken. Neben Beschäftigungsüberlegungen sprechen auch Überlegungen zur Vertei-lung der Arbeitszeit und zu Gesundheit für eine Arbeitszeitverkürzung.

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