Knockout Nora, Kathi Turbonegra und die Liebe zum Sport

Knockout Nora, Kathi Turbonegra und die Liebe zum Sport

Schon von „Roller Derby“ gehört? In Linz gibt es nun einen Verein, der diesen immer populäreren Skate-Sport spielt. Katrin Herlbauer alias „Turbonegra“, Obfrau von „Linz Roller Derby“, erzählt im Interview, wieso alles nach Chaos aussieht und was den Linzer Verein antreibt.

Viele werden diesen Begriff zum ersten Mal hören. Was ist „Roller Derby“?

Roller Derby ist ein Vollkontaktsport auf Rollschuhen, der fünf gegen fünf gespielt wird. Ziel des Spiels ist, dass die Jammerin (gekennzeichnet durch einen Stern am Helm) die Gegenspielerinnen überholt und so Punkte erzielt. Die Jammerin ist die einzige Punktemacherin, während die restlichen Skaterinnen (die Blockerinnen) die gegnerische Jammerin am Überholen hindern, aber gleichzeitig der Eigenen beim Scoren helfen. Dieses Hindern geschieht, indem sie die Gegnerinnen zur Seite drängen, schieben, schubsen, und blocken, umso mehr Platz und eine freie Bahn zu schaffen. Wir werden immer wieder, vor allem von Kennern des Films „Rollerball“ gefragt, wo denn da der Ball bleibt: Der hat bei uns und auf unserem Track, dem Spielfeld, nichts verloren. Wir spielen ohne Ball, ohne Schläger und ohne Tore.

Wie läuft ein Roller Derby Spiel genau ab?

Roller Derby folgt, auch wenn es nach purem Chaos aussieht, einem recht strikten Regelwerk. Unsere Ausrüstung besteht aus Rollschuhen, die mit den Disco Rollern aus den 70er Jahren so gut wie nur mehr die 8 Rollen gemein haben, und umfassender Schutzausrüstung, die beim Helm beginnt, über Zahnschutz, Handgelenk-, Ellbogenschützer geht und bei dicken Knieprotektoren endet. Ein Spiel dauert 60 Minuten, wobei jede Halbzeit in beliebig viele Durchgänge, in Jams, unterteilt ist. Jeder Jam dauert maximal 2 Minuten, kann aber aus taktischen Gründen von der Lead-Jammerin frühzeitig abgebrochen werden. Zwischen den Jams wird die Startaufstellung gewechselt. In der Regel sind pro Spiel 14 Skaterinnen aufgestellt, wovon eben nur jeweils 5 gleichzeitig am Track sind.

Roller Derby besitzt als Vollkontaktsport mit Rempeleien, Blocken und Abdrängen viele Elemente, die sonst eher von Männern ausgeübt werden. Kehrt Roller Derby als Frauensportart diese Klischees bewusst ins Gegenteil um?

Mittlerweile ist Roller Derby ja auch keine reine Frauensportart mehr. Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Finnland, um nur einige Länder zu nennen, stellen mittlerweile sogar Nationalmannschaften im Men’s Roller Derby. Es gibt einen eigenen World Cup und einen eigenen internationalen Verband mit eigenem Regelwerk. Dass sich dieses Mal die Männervariante aus dem Frauensport und nicht umgekehrt entwickelt hat, freut uns als Verein natürlich und auch wir würden uns wünschen, dass sich ein paar Männer unserem Team anschließen. Der Kampf gegen gesellschaftliche Klischees steht bei den Steelcity Rollers allerdings nicht im primären Vordergrund. Wir spielen Rollerderby, weil wir den Sport lieben, weil wir gerne skaten und vielleicht auch gerne mal etwas härter zur Sache gehen. Genauso wenig wie wir als Frauen, Männer, Menschen kategorisiert und mit Klischees behaftet werden wollen, genauso wenig kann und will ich aber hier für andere Vereine sprechen, bei denen der gesellschaftspolitische Aspekt des Sports eine zentralere Rolle spielt.

Der Sport kommt ursprünglich aus den USA – in Österreich gibt es bis jetzt vier Teams. Wie ist der Verein in Linz entstanden?

Der Linzer Verein entstand durch Knockout Nora. Mit einer Facebook Gruppe versuchte sie, interessierte Frauen und Männer zu finden, damit Roller Derby auch hier Fuß fassen kann. Nach ein paar Treffen und nachdem wir alle Feuer und Flamme waren, überließ sie uns die gesamte Organisation und war somit die Initialzündung für unsere Liga Linz Roller Derby und unser Team Steelcity Rollers. Wir waren zu Beginn – und sind nach wie vor – ein bunter Mix aus Nationalitäten, Berufen und Altersgruppen.

Wie kann man bei eurem Verein in Linz andocken, wenn man Roller Derby einmal ausprobieren möchte?

Wir veranstalten jeden ersten Donnerstag im Monat einen Recruiting Tag, zu dem man sich via Email an info@linzrollerderby.com oder über unsere Facebook Page anmelden kann. Es sind keine Vorkenntnisse oder Equipment nötig. Bitte bei Anmeldung auch unbedingt die Schuhgröße angeben! Wer sich noch nicht auf die Rollschuhe traut und aber gerne zuschauen und sich alles erklären lassen möchte, kann jederzeit eines unserer zweimal wöchentlich stattfindenden Tainings besuchen. Alle näheren Infos dazu auch via Email oder Facebook.

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