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Kein Platz für Sexismus – damals wie heute

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Juli 1970: Erstmals wird in Wien einer Frau gestattet, eine Straßenbahn zu lenken. November 2016: In den USA wird mit Donald Trump ein Mann, der sich wiederholt öffentlich herabwürdigend über Frauen geäußert und sexuelle Übergriffe verübt hat, zum Präsidenten gewählt. Wir wollen mit unserer Kampagne „Kein Platz für Sexismus“ diese Diskriminierung im Alltag aufzeigen. Sexismus ist kein Normalzustand, sondern ein Problem, das wir gemeinsam lösen möchten. Es passiert tagtäglich und es passiert überall. Grausliche Anmachsprüche, unangenehmes Antanzen, nicht ernst genommen werden – Frauen sind verschiedensten Formen von Diskriminierung ausgesetzt. Auch heute noch?

Auch heute noch! Ein kurzer historischer Abriss zeigt, wie wichtig es ist, gegen Sexismus anzukämpfen.

Wahlrecht

Vor weniger als hundert Jahren war es Frauen noch nicht möglich, an Wahlen teilzunehmen. Frauen waren von der Politik ausgeschlossen, sie galten als unmündig. Erst im November 1918 erließ die Regierung unter Kanzler Karl Renner das allgemeine, gleiche und freie Wahlrecht für alle Staatsbürger_innen. Das, zu dieser Zeit gültige, Bürgerliche Gesetzbuch verpflichtete Frauen zur Haushaltsführung. Andere Arbeiten waren ihnen nur erlaubt, wenn sie ihre Pflichten in den eigenen vier Wänden dadurch nicht vernachlässigten. Bis 1914 konnten sie nicht die Vormundschaft für ihre Kinder übernehmen. Danach war alles gut?

Die erste Bimfahrerin

Danach wurde es noch schlimmer. Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus war auf das Mutterschafts- und Hausfrauen-Dasein reduziert. Müttern mit vier Kindern wurde das „Mutterkreuz“ als besonderer Dank überreicht, ab acht Kindern gab es eine besondere Auszeichnung. Auf Schwangerschaftsabbruch stand die Todesstrafe.

Danach war alles gut? Noch lange nicht. In den 60er Jahren konnten zumindest einige Verbesserungen erreicht werden. Das neue Mutterschutzgesetz verlängerte die Karenzzeit nach der Geburt eines Kindes und ermöglichte erstmals die Auszahlung eines Karenzgeldes als Ersatz für den Lohnentfall. Ab 1963 ist die Anti-Baby-Pille in Österreich erhältlich, wird aber anfangs nur von wenigen Ärzt_innen verschrieben. Sieben Jahre später wurde es erstmals einer Frau in Wien gestattet, eine Straßenbahn zu lenken: die erste Bimfahrerin. Danach war alles gut?

Schwangerschaftsabbruch

Noch lange nicht. Die 1970er Jahre standen im Zeichen des Diskurses um Schwangerschaftsabbrüche. „Wir haben abgetrieben“ war die Schlagzeile der deutschen Zeitschrift Stern am 6. Juni 1971. In dieser von Alice Schwarzer initiierten Aktion bekannten sich insgesamt 374 Frauen, darunter viele Personen des öffentlichen Lebens, dazu, ihre Schwangerschaft abgebrochen und damit gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. Die Kampagne sollte Schwangerschaftsabbrüche enttabuisieren und forderte die Selbstbestimmung der Frauen über ihren eigenen Körper. Mit Erfolg: 1975 trat in Österreich die sogenannte Fristenregelung in Kraft, die bis heute gültige Rechtslage ist.

Demnach ist der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Monate, bei medizinischen Risiken oder bei Unmündigkeit zur Zeit der Schwängerung straffrei. Im selben Jahr wurde die Familienrechtsreform verabschiedet. Das neue Familienrecht beendete zumindest juristisch einen Teil der Vormachtstellung von Männern. Das neue Gesetz geht vom Grundsatz der gleichen Rechte und Pflichten von Männern und Frauen aus. Männer konnten ihren Ehefrauen beispielsweise nicht länger verbieten, berufstätig zu sein und der Familienname des Mannes wurde nicht mehr automatisch zum gemeinsamen. Danach war alles gut?

Aufschrei

Noch lange nicht. Anfang 2013 wurden sexuelle Übergriffe des damaligen Spitzenkandidaten der deutschen Partei FDP, Rainer Brüderle, bekannt. Daraufhin startete auf Twitter die Kampagne „#aufschrei“, bei der Frauen über sexuelle Übergriffe und Sexismus im Alltag berichteten. Innerhalb der ersten Woche wurden über 57.000 Tweets unter diesem Hashtag verfasst. Das Bedürfnis, über die alltägliche Diskriminierung zu sprechen und sie aufzuzeigen, war und ist enorm.

Kein Platz für Sexismus

Jetzt ist alles gut? Noch lange nicht. Die Geschichte zeigt: Sexismus und diskriminierende Rollenbilder haben sich über Jahrhundert entwickelt und dermaßen tief und fest in das gesellschaftliche Gedächtnis eingeschrieben, dass sie nur schwer aufzubrechen sind. Die Geschichte zeigt auch: Es braucht stetigen und beharrlichen antisexistischen Kampf. Unsere Kampagne „Kein Platz für Sexismus“ ist ein Beitrag dazu.

Unsere Forderungen

Kostenlose Menstruationsartikel in öffentlichen WC-Anlagen

Frauen sind gezwungen, Monat für Monat Geld für Menstruationsartikel auszugeben. Ein finanzieller Aufwand, der Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts trifft – und gerade wenn man unterwegs ist manchmal auch nicht so leicht zu planen ist. Deshalb fordern wir, dass in öffentlichen WC-Anlagen in Linz jederzeit kostenlose Hygieneartikel für Frauen zur Verfügung gestellt werden! Hier kannst du unsere Forderung mit deiner Online-Unterschrift unterstützen.

Schluss mit grauslichen Anmachen

Respektlose Anmachsprüche oder unangenehmes Antanzen sind immer noch alltäglich – vor allem Frauen sind davon betroffen. Hinterherpfeifen oder sogar Begrapschen sind allerdings kein Spaß, sondern strafbare Diskriminierung. Frauen dürfen nicht länger auf ihren Körper reduziert werden – für ein respektvolles Miteinander!

Frauen sind stark

Nein, Frauen müssen nicht immer auf ein Getränk eingeladen werden. Nein, Frauen müssen nicht immer zuerst durch die Türe gehen. Auch nett gemeinte Ungleichbehandlungen der Geschlechter können beleidigend und herablassend wirken. Frauen sind nämlich nicht schwach und auf keine Hilfe angewiesen.

Du möchtest Teil unserer Kampagne werden? Melde dich bei uns!

office@sj-linz.at oder 0732 / 77 26 22

Autor:sjlinz

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