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„Satire ist politisch“

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Maximilian Zirkowitsch ist Mitglied des Satire-Kollektivs Hydra und kandidierte letzten Herbst als Bezirksrat in Wien. Ein Gespräch über Satire und das Leben.

Als Satiriker persiflierst du das Leben. Worauf kommt es an im Leben?

Zirkowitsch: Das bin ich schon öfter gefragt worden, aber noch nie in Interviews (lacht). Schwierig. Ein integres Leben führen können und seinen eigenen Vorstellungen entsprechen können, ohne ständig durch die Widersprüche, die einfach im System stecken, kaputt gemacht zu werden. Wahrscheinlich.

Bekannt ist deine Kunstfigur „Bezirkowitsch“, mit der du letzten Herbst als Bezirksrat für die SPÖ in Wien kandidiert hast. War das Politik oder Satire?

Zirkowitsch: Beides. Ich glaube nicht, dass man das trennen kann. Satire ist politisch. Besonders da, wo sie unpolitisch sein will. Das ist im politischen Betrieb genauso.

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse dieses Projekts?

Zirkowitsch: Der Wahlkampf ist sinnentleert. Dass es um Fame geht, dass es um Wiedererkennungswerte geht, aber dass es kaum noch um Inhalte geht. So weit, so banal. Im Wiener Wahlkampf wurde plakatiert: „Man wählt nur mit dem Herzen gut“. Das ist an Sinnlosigkeit und Blödheit nur noch kaum zu übertreffen. Bis dann das Plakat kam: „Wählt so, wie ihr denkt“.

Eine recht schöne Erkenntnis war auch, dass mich die SPÖ deshalb ignoriert hat, weil sie einfach ohnmächtig war, darauf zu reagieren. Was hätte sie denn tun sollen? Nichts. Die anderen Parteien im Bezirk haben das glaube ich wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die haben angenommen, dass es der SPÖ schadet.

Bezirkowitsch“ hat also parteiübergreifend Fans.

Zirkowitsch: Ich bekomme auch immer wieder Angebote von anderen Parteien. Zuletzt sollte ich eine Kampagne der ÖVP unterstützen. Die ÖVP wollte nämlich, weil Kinder und Jugendliche Lesedefizite aufweisen, dass die Hauptbibliothek in Wien 24 Stunden am Tag geöffnet ist, damit die 11-Jährigen auch noch um drei Uhr in der Früh zum Lesen kommen. Das war knüppelhart durchdacht. Habe ich dann aber nicht unterstützt.

Mohammed-Karikaturen, Papst-Persiflagen oder der Fall Böhmermann – eine immer wiederkehrende Frage drängt sich auf: Was darf Satire?

Zirkowitsch: Alles. Ohne Hemmungen. Man muss es vor sich selbst rechtfertigen können, und nicht nur vor den anderen. Aus vorauseilendem Gehorsam Selbstzensur zu üben ist wirklich das Gegenteil von Satire. Es muss einfach alles gehen. Wie sonst? Die Stärke der Satire oder des Witzes ist es ja, sehr komplexe Verhältnisse auf einen Kern zu reduzieren und dann mit einer Pointe zu spiegeln. Könnte ich zeichnen, hätte ich Mohammed wahrscheinlich schon gezeichnet. Da muss man sich selbst ausdenken, wie der Prophet aussieht. Und wenn man sich das ausdenkt – das ist der spannende Gedanke – wird man selbst zum Propheten.

Philipp Stadler unterhielt sich mit Max Zirkowitsch. Das Interview erschien auch in „demMoment16“.

Foto: Paul Urban.

Autor:sjlinz

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