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Eine Stunde „Last Christmas“ – ein Selbstversuch

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Alle Jahre wieder erschallt in der Vorweihnachtszeit aus dem Radio und in den großen Hallen unserer Einkaufzentren ein uns altbekanntes Lied: „Last Christmas“ von Wham!. Was passiert, wenn man sich das Lied eine Stunde lang ohne Pause anhört?

Überaus charakteristisch für dieses Lied ist, dass sehr viele Menschen es nach kurzer Zeit für als sehr nervig empfinden. Ob es an der faden, für die 80er jahre typischen Pop-Instrumentalistik oder an der schluchzenden Stimme liegt, darüber lässt sich sicherlich streiten. Doch was bewirkt das Lied, wenn man es sich eine Stunde lang ohne Pause anhört? Genau das will ich herausfinden und starte den Selbstversuch.

Es ist 15:06. Legen wir also mit dem Experiment los. Runde 1: Bevor George Michaels Stimme zu hören ist, konzentrieren sich meine Ohren auf den Bass und die 08/15 klingenden Drums. Erster Übergang von Refrain zu Strophe. Was natürlich bei keinem Pop-Weihnachtslied fehlen darf sind schellende Glöckchen. Obwohl ich sagen muss, dass diese sehr sparsam eingesetzt werden, und nur dann wenn kein Gesang vorhanden ist. Bei der zweiten Runde kommt mir der stimmliche Einstieg viel früher vor. Diesmal hab ich mich absichtlich auf die Glöckchen konzentriert und gemerkt, dass sie in der ersten Strophe abrupt verstummen, was bei näherem Hinhören etwas stört, aber gut, wer tut das bei Last Christmas normalerweise schon? Der Song neigt sich dem Ende zu. Georges Stimme verklingt.

Während der dritten Runde durchstöber ich ein bisschen meinen Facebook-Newsfeed und sehe auf den Seiten von Sportfreunde Stiller und den Toten Hosen die neue deutsche Version von “Do they know it’s Christmas”. Hmm… das ist ja eigentlich eines meiner Lieblingsweihnachtslieder in Sachen Pop. Soll ich kurz das Experiment unterbrechen? Nein , lieber nicht.

So Runde 5: Jetzt werde ich mich mal auf den Text der zweiten Strophe konzentrieren. Normalerweise schaltet man ja spätestens nach dem zweiten Refrain ab. Dabei merkt man erst an dieser Textstelle, wie sehr der Sänger von der Person enttäuscht ist, der er letztes Weihnachten sein Herz gegeben hat. Beim Googeln des genauen Textes sehe ich, dass es auch eine Taylor-Swift-Version gibt. Wie muss das wohl klingen? Vielleicht nach dem Experiment. Um die Authenzität des Versuchs zu erhalten bleibe ich bei Wham!.

Ab Runde 7 fängt es schön langsam an zu nerven. Immerhin ist seit Beginn des Experiments schon eine halbe Stunde vergangen.

Bei Beginn von Runde 9 denk ich: In einem Monat ist bezüglich dieses Liedes  alles schon wieder vorbei. Denn jede_r weiß, dass die Radio-Stationen diesen “Klassiker” nur in den ersten zwei Adventwochen spielen, und dann sofort wieder absetzen. Klar, sonst könnten sie die restliche Zeit bis zu den Feiertagen bezüglich Hörer_innenquoten vergessen.

Wow jetzt bin ich wirklich schon bei Runde 10. “But the song still catches my ears”. Haha. Jetzt konzentriert sich das Gehör wieder auf die “Instrumente”.

Und da beginnt auch schon die 11. Runde. So, jetzt schauen wir mal wie die Chartplatzierungen der letzten Jahre für dieses Lied waren. Zwischen 2004 und 2012 konnte sich der Song gut in den Top 20 halten, kam aber 2013 nur mehr auf den 25. Platz. 2014 kam das Lied auf Platz 19 und 2015 auf Platz 15. Während so die 12. Runde beginnt, denke ich, dass es trotzdem irgendwie doch ein Phänomen ist, dass dieses es Lied immer wieder in die Hitlisten schafft. In die Charts kommst du ja nur, wenn dein Werk gekauft wird, also muss es wohl in Österreich jedes Jahr Menschen geben, die sich zu Klang-Masochist_innen entwickeln und sich dieses Lied extra kaufen. In zehn Minuten ist die Stunde rum.

Bei der 15. und letzten Runde lausche ich ganz besonders dem Intro-Part des Keyboards. Gleich ist es geschafft. Ich schalte die Wiederholfunktion aus und um Punkt 16:06 verhallt der letzte Takt und das Experiment ist beendet. Genau 60 Minuten lang habe ich das wohl als am nervigsten geltende Weihnachtslied gehört und muss sagen: Ich bin mit den Nerven nicht am Ende. Wieso ist „Last Christmas“ also das nervigste Weihnachtslied? Naja, um dieser Sache nachzugehen lassen mir die Radio-Sender sicher noch genügend Zeit.

Stefan Rosenauer studiert Jus an der JKU Linz und ist im Ausschuss der SJ Linz für alles zuständig, das mit Musik zu tun hat.

Autor:sjlinz

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