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Interview: Katharina Rogenhofer, Initiatorin FridaysForFuture Austria

Kategorien: Quer-Artikel

In Schweden, Deutschland, Schweiz, Belgien, Österreich heißt‘s: Streiken statt Schulbank drücken! Zehntausend Schüler_innen, Lehrlinge, Studierende und andere junge Menschen demonstrieren gerade jeden Freitag in ganz Europa. Unter dem Motto „der Klimawandel wartet nicht auf unseren Schulabschluss“ machen sie ihren Unmut über das Versagen der Klimapolitik Luft. Und was dürfen sich diese jungen Aktivist_innen immer wieder anhören? „Kinder, geht zur Schule!“

Interview von März 2019

 

Zurzeit befinden wir uns in einer Klimakrise. Überschwemmungen, Schneechaos in Österreich, Kälte- und Hitzerekorde, Dürren und Walbrände gehören schon fast zur täglichen Berichterstattung. Expert_innen wollen uns warnen und meinen, dass dies nur die ersten spürbaren Folgen einer Entwicklung sind, die noch katastrophalere Auswirkungen auf uns alle haben werden, wenn nicht wirksame Maßnahmen gesetzt werden.

Auch in Österreich werden sich immer mehr junge Menschen der Klimakrise bewusst und rufen in den Landeshauptstädten zu friedvollen Protesten auf. Nach ihrem Vorbild, der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, fordern sie Klimagerechtigkeit und organisieren sich.

In Österreich starteten Katharina Rogenhofer und Johannes Stangl die Bewegung „FridaysForFuture Austria“ und organisierten den ersten Freitagsprotest in Wien. Am Anfang waren es nur Wenige. Innerhalb von kürzester Zeit schlossen sich immer mehr junge Menschen an – ein Trend, dem immer mehr Schüler_innen, Studierende und andere folgen. In Linz fand der erste Klimastreik am 25.01.2019 statt, bei dem sich 10 Linzer Schüler_innen vor dem Landhaus versammelten und mit Plakaten wie „Kohle für Bildung anstatt in den Ofen!“ oder „Schulstreik fürs Klima“ auf die aktuellen Probleme auf dem Planeten aufmerksam machten. Beim fünften Klimastreik in Linz waren es schon über 200 junge Demonstrant_innen, die von 10 bis 13 Uhr am Hauptplatz für Klimagerechtigkeit demonstrierten.

Als eine Mitinitiatorin der Streikbewegung „FridaysForFuture Austria“ will Katharina Rogenhofer das Versagen der Politik nicht hinnehmen. Gemeinsam mit hunderten weiteren Menschen will sie dem Kampf für Klimagerechtigkeit Gehör verschaffen und öffentliche Aufmerksamkeit erregen. Wir haben das Gespräch mit Katharina gesucht und Antworten auf unsere brennenden Fragen bekommen.

Was ist Dein persönlicher Bezug zu Umweltschutz-Aktivismus und wie wurdest Du (umwelt-) politisch aktiv?

Früher war ich lose bei einigen Umwelt-NGOs dabei und habe auch bei Umweltinitiativen gearbeitet. Das richtige Engagement kam aber erst, als ich durch die wissenschaftliche Arbeit im Zoologie-Studium gemerkt habe, dass ich viel lieber einen aktiven gesellschaftspolitischen Beitrag leisten will. Daraufhin habe ich Naturschutz studiert und ein Praktikum im Klimawandel-Division der Vereinten Nationen gemacht.

 

Woher kam die ursprüngliche Inspiration, fridaysforfuture in Österreich zu starten?

Über das Praktikum war ich beim Klimagipfel in Katowice dieses Jahr. Dort habe ich Greta Thunberg kennengelernt, das 16-jährige schwedische Mädchen, deren Rede um die Welt ging und die jeden Freitag statt in der Schule vor dem Parlament sitzt. Sie hat auch bei der Klimakonferenz gestreikt – sich einfach mit ihrem Schild hingesetzt. Das war ein sehr starkes Zeichen und gemeinsam mit Johannes und Phil, zwei Freunden, die ebenfalls auf der Konferenz waren, habe ich dann beschlossen, dass auch in Österreich etwas passieren muss.

 

Welche Ziele habt ihr?

Einerseits fordern wir natürlich einige politische Veränderungen. Nach dem Hitzesommer samt Ernteausfällen und den Extremwetterereignissen diesen Winter, ist wohl allen klar, dass die Klimakrise auch in Österreich angekommen ist. Und das alles zeigt, dass es nicht um Kleinigkeiten geht. Es geht langfristig um das Überleben, um Ernährungssicherheit und um eine lebenswerte Zukunft. Unser Ziel ist es, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, aufzuzeigen, wo wir hinmüssen und jungen Menschen eine Stimme zu geben, um politischen Einfluss zu nehmen. Es braucht eine ambitionierte Klimapolitik.

 

Welche Forderungen stellt ihr an die österreichische Regierung bzw. an die EU?

Erst einmal ist unsere große Forderung eine Klimapolitik, die mit dem 1,5°C Ziel von Paris vereinbar ist. Wenn wir so weiter machen wie bisher, steuern wir auf eine Erwärmung von 3-4°C zu. Das wird katastrophale Folgen haben. Deshalb muss die Verringerung von Treibhausgasen wie CO2 oberste Priorität sein. In Österreich steigen die Emissionen aber. Wir brauchen daher dringend eine ökosoziale Steuerreform. Diese soll durch Besteuerung aller emittierten Treibhausgase einen Anreiz schaffen, weniger CO2 in die Luft zu schleudern. Das Geld, das dadurch hereinkommt, kann dazu verwendet werden, die Steuern auf Arbeit zu senken und Kleinverdiener_innen zu entlasten. Es braucht auch einen konsequenten Ausstieg aus fossilen Energieträgern und der öffentliche Nah- und Fernverkehr muss massiv ausgebaut sowie für alle leistbar gemacht werden. Und hier kommen wir zur EU: eine Kerosin- und Schweröl-Steuer wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

 

Kommt es auf uns als Menschen an, etwas gegen den Klimawandel zu bewirken, oder ist eine Systemänderung notwendig?

Ich glaube, dass beides zusammenspielt. Natürlich kann ich mich persönlich dafür entscheiden, weniger mit dem Auto zu fahren und mich mehr pflanzlich zu ernähren. Das sind alles gute Schritte, aber es braucht definitiv viel mehr. Eine gute Politik muss es den Menschen überhaupt einmal ermöglichen, solche Entscheidungen zu treffen, sonst bleiben sie Privilegien. Solange Flüge innerhalb Europas teurer sind als der Zug, solange der Umstieg auf nachhaltige Wärmeerzeugung nicht staatlich gefördert wird, solange es noch klimaschädliche Subventionen in der Landwirtschaft gibt und Kohlestrom weiterhin gefördert wird – braucht es Menschen, die sich vor allem ihrer politischen Stimme bewusst sind und jedes Werkzeug nutzen, um die gesellschaftspolitische Veränderungen herbeizuführen, die es unbedingt braucht. Neben dem wöchentlichen Freitagsstreik in ganz Österreich sind immer wieder Großdemos geplant. Nehmen wir jetzt unsere Zukunft selbst in die Hand!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerne.